Gelenk Gelenkersatz Endoprothetik
Unter Endoprothetik versteht man den Ersatz von
kranken oder schwer verletzten Gelenken durch künstliche Gelenke. Solche
Kunstgelenke bestehen im wesentlichen aus Metallteilen, welche im Knochen
verankert werden, und aus Gleitflächen, welche die Bewegung ermöglichen. Das
Material der Gleitflächen kann sehr
hochmolekulares Polyaethylen (ein organischer Kunststoff), Keramik oder eine spezielle
Metallbeschichtung sein.
Besonders gut und lange erprobt ist der
künstliche Gelenkersatz an Hüft- und Kniegelenken. Für beide Gelenke gibt
es Kunstgelenke, welche seit mehr als zwanzig Jahren erprobt sind und von
denen auch gezeigt worden ist, dass sie nach dieser Zeit noch
funktionieren (1).
Literatur: John J. Callaghan et al. The Journal of Bone and Joint Surgery
82A:Seite 487-497, April 2000
Geeignet für den künstlichen Gelenkersatz
sind in speziellen Fällen auch die Schultergelenke, die oberen Sprunggelenke
und das Ellbogengelenk.
Der künstliche Gelenkersatz wird
durchgeführt, wenn wegen Zerstörung des eigenen Gelenks durch Arthrose, eine
der zahlreichen entzündlich rheumatischen Krankheiten oder durch Unfall die
Benützung schwer beeinträchtigt ist, oder wenn starke Schmerzen das Leben
erschweren.
Der künstliche Gelenkersatz gehört zu den schönsten Erfolgen
der modernen Medizin. Auch mir machen diese Operationen viel Freude. Ich darf
immer wieder erleben, wie Personen, welche nur noch mit grosser Mühe eine Viertelstunde
Stunde gehen konnten - nach den ersten Ferien mit Kunstgelenk über Wanderungen von mehreren Stunden
berichten.
Knie - Endoprothetik - das Kunstgelenk
im Knie

Sie sehen links ein Kniegelenk vor der Operation. Die gelbe Farbe
zeigt den Knorpel, die grüne Farbe zeigt den Meniskus und die braune Farbe
zeigt das Kreuzband.
Beim Einsetzen eines Kunstgelenks werden alle diese drei
Strukturen welche in der Regel stark beschädigt sind entfernt.
Auf dem Bild rechts ist der gelbe
Knorpel durch das blaue Metall ersetzt und die grünen Menisken durch das
weisse Polyaethylen (ein bewegliches Kunststoffteil zwischen den Metallteilen.
Was kann der Grund sein wenn nach Einsetzen eines
künstlichen Kniegelenks Schmerzen auftreten ?
Wenn nach der Operation die gleichen
Schmerzen vorhanden sind wie vor der Operation dann waren die Schmerzen
vor der Operation nicht durch das abgenützte Gelenk verursacht sondern durch
das Hüftgelenk, durch ein Einklemmen eines Nerven, durch eine
Blutgefässkrankheit (Venen oder Arterien) oder durch Wirbelsäule.
Die häufigsten Ursachen für Schmerzen nach
Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes sind der Infekt, die Steifigkeit,
die Schwellung oder die Instabilität.
Wenn aussergewöhnliche Schmerzen früh nach
der Operation auftreten muss nach einem Infekt gesucht werden. Dazu wird
in erster Linie das Blut und der Kniegelenkserguss oder Gewebe aus dem Gelenk
untersucht. Kann ein Infekt ausgeschlossen werden kommt am ehesten eine
Instabilität als Ursache des früh nach der Operation auftretenden Schmerzes
in Frage. Die Ursache der Instabilität ist meist ein schlechtes Alignement
(die Gelenkteile sind nicht im richtigen Winkel eingesetzt). Es kann auch
vorkommen, dass die Bänder in der Spannung der nicht richtig aufeinander
abgestimmt sind.
Wenn aussergewöhnliche Schmerzen lange nach
der Operation auftreten muss nach einer Lockerung der implantierten Teile
gesucht werden. Eine solche Lockerung zeigt sich oft im Röntgenbild. Eine
Lockerung kann sich aber auch schleichend einstellen und der Schmerz kann der
sichtbaren Lockerung oft lange vorausgehen. Wenn trotz normalem Röntgenbild
aufgrund der Klinik eine Lockerung vermutet wird kann eine Scintigraphie
durchgeführt werden. Dabei wird radiaktives Technetium (Tc99) in die Vene
gespritzt. Die Gammastrahlung wird dann mit einer Sonde welche mehrmals über
den Körper fährt abgetastet. So können Stellen an denen ein vermehrter
Kochenumbau stattfindet entdeckt werden. Ausser der Lockerung kann auch bei
spätem Schmerzbeginn ein Infekt welcher über das Blut (hämatogen) von einer
anderen Stelle auf das Kunstgelenk abgesiedelt hat. Ein Auftreten von
Schmerzen lange nach der Operation kann auch ausgelöst werden wegen
Abnützung von Prothesenteilen oder durch Brüche im Knochen um das
Konstgelenk.
Literatur: V. Mandalia et al. The Journal of Bone and Joint Surgery
90B:Seite 263-271, März 2008
Was kann auch noch Ursache von Beschwerden sein,
wenn Sie schon ein
Kunstgelenk des Knies haben ?
Beschwerden können im Kniegelenk entstehen oder sie können andere Ursachen haben.
Hier zuerst die Ursachen im
Zusammenhang mit dem Kunstgelenk:
Nach Ersatz des Kniegelenks sind
Schmerzen im vorderen Abschnitt des Knies (im Bereich der
Knie- scheibe
oder des Kniescheibenbandes relativ häufig. Oft wurde deshalb auch hinter der
Kniescheibe ein Kunststoffteil eingesetzt. In einer Studie welche in
Adelaide durchgeführt wurde haben die orthopaedischen Chirurgen nach dem Zufall
(randomisiert) ausgewählt wer ein Kunstgelenk mit Kniescheibenoperation
und wer kein
Kunststoffteil hinter der Kniescheibe bekommen soll. Es konnte bezüglich Score
der American Knee Society kein Unterschied festgestellt werden zwischen den beiden
Gruppen.
Literatur: D.G. Campbell et al "Patellar resurfacing in total knee
replacement" J Bone Joint Surg (Br) 2006;88:734-9.
Es könnte ein Knochenriss zum Beispiel im
Schienbein entstanden sein
Es könnte ein Infekt um
das Kunstgelenk entstanden sein
Es könnte sich das Kunstgelenk
lockern (aseptische Lockerung) oder nicht einwachsen
Die Grösse des Kunstgelenks
passt nicht zum Knochen (mismatch)
Es könnte ein Knochenriss zum Beispiel im
Schienbein entstanden sein
Es kann eine Entzündung zum
Beispiel durch Abrieb von den
Gleitflächen im Kunstgelenk entstehen
Was Sie als
Patient/in über Endoprothetik wissen wollten
Wann ist die richtige Zeit
gekommen für den Ersatz eines zerstörten Gelenks ?
Wie lange muss ich nach der
Implantation eines Kunstgelenks an Stöcken gehen ?
Kann ich nach Implantation
eines Kunstgelenks wieder Sport treiben ?
Welche Sportarten eignen sich
besonders für Menschen mit einem Kunstgelenk ?
Welche Risiken
gibt es bei der Operation ?
Welche Risiken bestehen auf
lange Sicht ?
Antworten auf die
Fragen, welche Sie als
Patient/in über Endoprothetik haben könnten:
Wann ist die richtige Zeit
gekommen für den Ersatz eines zerstörten Gelenks ?
Der richtige Zeitpunkt für den Ersatz eines
Gelenkes kann nicht vom Arzt allein anhand einer Untersuchung oder gar anhand
von Röntgenbildern allein festgelegt werden. Es bedarf eines ausführlichen
Gesprächs zwischen Arzt und Patient/in um herauszufinden, wie sehr der/die
Patient/in durch sein/ihr Gelenkleiden beeinträchtigt ist und welche
Krankheiten sonst noch vorhanden sind.
Der Arzt wird dann erklären, welches aufgrund
der Befragung und Untersuchung die Risiken einer Gelenkoperation sein werden
und inwieweit die Ansprüche des Patienten erfüllt werden können. Erst wenn
der Arzt und der/die Patient/in sich eine Vorstellung gemacht haben, was sich
durch ein Kunstgelenk ändern würde und unter Inkaufnahme welcher Risiken,
kann der Entscheid gefasst werden.
Wie lange muss ich nach der
Implantation eines Kunstgelenks an Stöcken gehen ?
Wenn ein Kunstgelenk im Knie oder in der
Hüfte implantiert (eingesetzt) wurde, kann unter günstigen Bedingungen von
Anfang an mit 20 bis 30 Kilogramm belastet werden. Die Stöcke können etwa
nach sechs Wochen in der Wohnung zunehmend weggelassen werden. Wenn diese
Belastung gut vertragen wird und keine Gangunsicherheit besteht, wird der/die
Patient/in nach 8-12 Wochen ohne Stöcke gehen. Es gibt aber nicht selten
Patienten, die mindestens einen Spazierstock weiter brauchen, weil sie
unsicher gehen, zum Beispiel wegen Gleichgewichtsstörungen oder wegen
Muskelschwäche.
Kann ich nach Implantation
eines Kunstgelenks wieder Sport treiben ?
Sport kann mit der nötigen Vorsicht wieder
betrieben werden. Es gibt allerdings Sportarten, welche sich nicht besonders
gut eignen für Leute, welche ein Kunstgelenk haben. Mannschaftssportarten wie
Fussball, Handball oder Eishockey, bei welchen mit unsanftem
Körperkontakt gerechnet werden muss eignen sich sicher nicht.
Alpinskifahren ist nur für Leute geeignet,
die schon vorher gute Skifahrer waren, und es erfordert gute
Pistenverhältnisse sowie die nötige Zurückhaltung.
Ski-Langlauf ist mit der nötigen Vorsicht
auch wieder möglich, wobei die Loipe möglichst im Flachland liegen sollte
und der Schnee sollte griffig, jedenfalls nicht vereist sein.
Tennis eignet sich vor allem bei Kunstgelenken
im Knie denkbar schlecht. Anspruchsvolles Spielen mit abrupten
Richtungswechseln und Bremsern ist aber auch für künstliche Hüftgelenke
nicht zu tolerieren.
Golf eignet sich, wenn die Spielweise so
angepasst wird, dass keine heftigen Drehbewegungen auf das operierte Bein
übertragen werden. Die Ansprüche müssen natürlich entsprechend reduziert
werden.
Segeln mit kleinen Booten ist nicht
geeignet, auf grösseren Booten und mit geigneten Schuhen, welche guten Halt
finden, kann auch aktiv gesegelt werden.
Welche Sportarten eignen sich
besonders für Menschen mit einem Kunstgelenk ?
Gut geeignet ist Wandern - Schwimmen - Aquafit.
Wanderungen sollten natürlich nicht
gerade in rutschigem oder steilem Gelände stattfinden.
Welche Risiken
gibt es bei der Operation ?
Der allgemeine Gesundheitszustand bei der
Entscheidung für ein Kunstgelenk ist immer zu berücksichtigen. Der
Leidensdruck kann zum Beispiel bei praktischer Gehunfähigkeit (Knochenbruch,
schwere Arthrose) oder starken Schmerzen bereits ohne grosse Belastung
(Nachtschmerz zum Beispiel) jemanden dazu bewegen, eher ein Risiko
einzugehen.
Die grössten Risiken bei
Gelenkersatzoperation am Knie und an der Hüfte sind die Thrombose und der
Infekt. Auch der Blutverlust kann bedeutend sein.
Die Thrombose mit der Gefahr einer
Lungenembolie versuchen wir zu verhüten, durch gerinnungshemmende Mittel,
meist schon am Abend vor der Operation und durch Bewegen schon unmittelbar
nach der Operation.
Eine Infektion tritt heute viel seltener auf
als in den Anfängen der Gelenkersatzoperationen, wo noch jeder zehnte
Operierte damit rechnen musste. Trotz aller erdenklichen Massnahmen muss auch
heute noch etwa ein Patient auf 200 Operierte mit einem Infekt rechnen. Um
Infekte zu verhüten, wird viel technischer Aufwand betrieben. Auch bekommt
der/die Patient/in in der Regel bereits unmittelbar vor Operationsbeginn ein
Antibiotikum (über den sowieso vorhandenen Venenzugang)
verabreicht.
Welche Risiken bestehen auf
lange Sicht ?
Es kann sich auch nach geglückter Operation
noch ein Infekt im Bereich des Kunstgelenks entwickeln. . Es können sich zum
Beispiel auch Bakterien aus dem Blut absiedeln. Wenn ein Infekt auftritt, muss
meistens das Gelenk entfernt werden und erst nach Ausheilung kann dann Wochen
bis Monate später wieder ein Gelenk eingesetzt werden.
Das Kunstgelenk kann locker werden (sogenannte
aseptische Lockerung). Gründe für solche Lockerungen gibt es mehrere. Eine
Hauptursache sind Abriebpartikel, welche von den Gelenkgleitflächen sich
lösen und eine Entzündung (ohne Infekt) verursachen. Auch hohe Beanspruchung
in Sport oder Beruf kann zu vorzeitiger Lockerung eines Kunstgelenks
führen.

Ski-Langlauf ist mit der nötigen Vorsicht
auch wieder möglich, wobei die Loipe möglichst im
Flachland liegen sollte
und der Schnee sollte griffig, jedenfalls nicht vereist sein.
Was kann die
Ursache von Beschwerden sein,
wenn Sie schon ein
Kunstgelenk der Hüfte haben ?
Beschwerden können im
Hüftgelenk entstehen oder sie können andere Ursachen haben.
Hier zuerst die Ursachen im
Zusammenhang mit dem Kunstgelenk:
Es könnte ein Infekt um
das Kunstgelenk entstanden sein
Es könnte sich das Kunstgelenk
lockern (aseptische Lockerung)
Die Grösse des Kunstgelenks
passt nicht zum Knochen (mismatch)
Knochenriss zum Beispiel im
Trochanter oder Schaft
Entzündung durch Abrieb von den
Gleitflächen im Kunstgelenk
Schleimbeutel auf dem Trochanter
(Rollhügel)
Die folgende Aufzählung
nennt einige der bekannten Ursachen von Beschwerden nach
Operation, aber ohne
Zusammenhang mit dem künstlichen Hüftgelenk:
Bandscheibenprobleme in der Lendenwirbelsäule
Gelenkprobleme in der Lendenwirbelsäule
Arterielle Gefässkrankheit (Verengung)
Venöse Gefässkrankheit (gestaute Venen)
Metabolische Erkrankung wie Zuckerkrankheit etc.
Stress- oder Ermüdungsbruch des Knochens
Nervenschädigung (Ischias, N. femoralis, N.cut.fem. lat)
Sehnenproblem (Iliopsoasentzündung)
Inguinalhernie (= Leistenbruch), Femoralhernie,
Obturatoriushernie
CRPS (complex regional pain syndrome) früher Sudeck
Dystrophie
Magendarmerkrankung
Erkrankung von Harnwegen oder Geschlechtsorganen
Literatur:
Patrick J Dufey et al. "Evaluation of patients with pain following total
hip replacement" An Instructional Course
Lecture, American Academy of Orthopaedic Surgeons, The Journal of Bone and Joint Surgery
87A:
Seite 2566-2575, November 2005

. Ob skaten oder klassisch spielt keine Rolle, Hauptsache
die Piste ist griffig
Was Sie als
Patient/in mit einem künstlichen Hüftgelenk wissen wollten
Was könnte die Ursache sein,
wenn nach Implantation eines Kunstgelenks Beschwerden in der Hüfte
oder im Bein weiter bestehen ?
Wenn von Anfang an nach der Operation
Beschwerden in der Hüfte oder im Bein bestehen und nicht
verschwinden kann es sich um einen Infekt
oder um einen fehlenden knöchernen Einbau des Implantats
handeln. Es kann sich um eine Ueberdehnung eines
Nerven handeln, vor allem wenn das Bein verlängert
wurde. Viel häufiger aber handelt es sich nach meiner Erfahrung um Ursachen, welche nicht im
Zusammenhang mit dem Kunstgelenk stehen.
Sehr oft kommen bei wieder etwas vermehrter Aktivität
Beschwerden zum Vorschein, welche wegen der
Hüftschmerzen und der kurzen Gehstrecke maskiert
waren oder gar trotz Hüftgelenksarthrose im
Röntgenbild die Hauptursache der "Hüftschmerzen" waren.
Sehr oft liegt die Ursache in der Wirbelsäule.
Verdacht auf diese Ursache kommt auf, wenn der Schmerz
von der Gesässbacke weit ins Bein
hinunterstrahlt. Eine solche Ursache ist dann von allen anderen oben
von der American Academy of Orthopaedic Surgeons
aufgezählten Ursachen abzugrenzen.
Weitere Informationen finden Sie bei ww.orthopaedie-zuerich.info
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