Praxis Dr. Stadelmann
ORTHOPÄDISCHE CHIRURGIE
Dr. med. Anton Stadelmann
n e u Stockerstrasse 42 - 8002 Zürich - Tel. 044 262 01 62 
dr.stadelmann@bluewin.ch

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Gelenk Gelenkersatz Endoprothetik 
 
Unter Endoprothetik versteht man den Ersatz von kranken oder schwer verletzten Gelenken durch künstliche Gelenke. Solche Kunstgelenke bestehen im wesentlichen aus Metallteilen, welche im Knochen verankert werden, und aus Gleitflächen, welche die Bewegung ermöglichen. Das Material der  Gleitflächen kann sehr hochmolekulares Polyaethylen (ein organischer Kunststoff), Keramik oder eine spezielle Metallbeschichtung sein. 

Besonders gut und lange erprobt ist der künstliche Gelenkersatz an Hüft- und Kniegelenken. Für beide Gelenke gibt es Kunstgelenke, welche seit mehr als zwanzig Jahren erprobt sind und von denen auch gezeigt worden ist, dass sie nach dieser Zeit  noch funktionieren (1). 

Literatur: John J. Callaghan et al. The Journal of  Bone and Joint Surgery 82A:Seite 487-497, April 2000

Geeignet für den künstlichen Gelenkersatz sind  in speziellen Fällen auch die Schultergelenke, die oberen Sprunggelenke und das Ellbogengelenk. 

Der künstliche Gelenkersatz wird durchgeführt, wenn wegen Zerstörung des eigenen Gelenks durch Arthrose, eine der zahlreichen entzündlich rheumatischen Krankheiten oder durch Unfall die Benützung schwer beeinträchtigt ist, oder wenn starke Schmerzen das Leben erschweren. 

Der künstliche Gelenkersatz gehört zu den schönsten Erfolgen der modernen Medizin. Auch mir machen diese Operationen viel Freude. Ich darf immer wieder erleben, wie Personen, welche nur noch mit grosser Mühe eine Viertelstunde Stunde gehen konnten - nach den ersten Ferien mit Kunstgelenk über Wanderungen von mehreren Stunden berichten. 

 

Knie - Endoprothetik - das Kunstgelenk im  Knie

   

 Sie sehen links ein Kniegelenk vor der Operation. Die gelbe Farbe zeigt den Knorpel, die grüne Farbe zeigt den Meniskus und die braune Farbe zeigt das Kreuzband. 

Beim Einsetzen eines Kunstgelenks werden alle diese drei Strukturen welche in der Regel stark beschädigt sind entfernt. 

Auf dem Bild rechts ist der gelbe Knorpel  durch das blaue Metall ersetzt und die grünen Menisken durch das weisse Polyaethylen (ein bewegliches Kunststoffteil zwischen den Metallteilen.  

 

Was kann der Grund sein wenn nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks Schmerzen auftreten ?

Wenn nach der Operation die gleichen Schmerzen vorhanden sind wie vor der Operation dann waren die Schmerzen vor der Operation nicht durch das abgenützte Kniegelenk verursacht, sondern durch das Hüftgelenk, durch ein Einklemmen eines Nerven, durch eine Blutgefässkrankheit (Venen oder Arterien) oder durch die Wirbelsäule. 

Die häufigsten Ursachen für Schmerzen nach Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes sind

der Infekt

die Steifigkeit 

die Schwellung 

die Instabilität. 

Wenn aussergewöhnliche Schmerzen früh nach der Operation auftreten muss nach einem Infekt gesucht werden. Dazu wird in erster Linie das Blut und der Kniegelenkserguss oder Gewebe aus dem Gelenk untersucht. Kann ein Infekt ausgeschlossen werden kommt am ehesten eine Instabilität als Ursache des früh nach der Operation auftretenden Schmerzes in Frage. Die Ursache der Instabilität ist meist ein schlechtes Alignement (die Gelenkteile sind nicht im richtigen Winkel eingesetzt). Es kann auch vorkommen, dass die Bänder in der Spannung der nicht richtig aufeinander abgestimmt sind. 

Wenn aussergewöhnliche Schmerzen lange nach der Operation auftreten muss nach einer Lockerung der implantierten Teile gesucht werden. Eine solche Lockerung zeigt sich oft im Röntgenbild. Eine Lockerung kann sich aber auch schleichend einstellen und der Schmerz kann der sichtbaren Lockerung oft lange vorausgehen. Wenn trotz normalem Röntgenbild aufgrund der Klinik eine Lockerung vermutet wird kann eine Scintigraphie durchgeführt werden. Dabei wird radiaktives Technetium (Tc99) in die Vene gespritzt. Die Gammastrahlung wird dann mit einer Sonde welche mehrmals über den Körper fährt abgetastet. So können Stellen an denen ein vermehrter Kochenumbau stattfindet entdeckt werden. Ausser der Lockerung kann auch bei spätem Schmerzbeginn ein Infekt welcher über das Blut (hämatogen) von einer anderen Stelle auf das Kunstgelenk abgesiedelt hat. Ein Auftreten von Schmerzen lange nach der Operation kann auch ausgelöst werden wegen Abnützung von Prothesenteilen oder durch Brüche im Knochen um das Konstgelenk.  

Literatur: V. Mandalia et al. The Journal of  Bone and Joint Surgery 90B:Seite 263-271, März 2008

Was kann auch noch Ursache von Beschwerden sein, wenn Sie schon ein Kunstgelenk haben ?

 

Beschwerden können im Kniegelenk entstehen oder sie können andere Ursachen haben. 

Hier zuerst die Ursachen im Zusammenhang mit dem Kunstgelenk: 

Nach Ersatz des Kniegelenks sind Schmerzen im vorderen Abschnitt des Knies (im Bereich der Knie-            scheibe oder des Kniescheibenbandes relativ häufig. Oft wurde deshalb auch hinter der Kniescheibe ein Kunststoffteil eingesetzt.  In einer Studie welche in Adelaide durchgeführt wurde haben die orthopaedischen Chirurgen nach dem Zufall (randomisiert) ausgewählt wer ein Kunstgelenk mit Kniescheibenoperation und           wer kein Kunststoffteil hinter der Kniescheibe bekommen soll. Es konnte bezüglich Score der American Knee Society kein Unterschied festgestellt werden zwischen den beiden Gruppen.   

Literatur: D.G. Campbell et al "Patellar resurfacing in total knee replacement"  J Bone Joint Surg (Br) 2006;88:734-9.                                                                                                                                                               

Es könnte ein Knochenriss zum Beispiel im Schienbein entstanden sein

Es  könnte ein Infekt um das Kunstgelenk entstanden sein

Es könnte sich das Kunstgelenk lockern (aseptische Lockerung) oder nicht einwachsen

Die Grösse des Kunstgelenks passt nicht zum Knochen (mismatch)

Es könnte ein Knochenriss zum Beispiel im Schienbein entstanden sein

Es kann eine Entzündung zum Beispiel durch Abrieb von den Gleitflächen im Kunstgelenk entstehen

 

 

 Was Sie als Patient/in über Endoprothetik wissen wollten

Wann ist die richtige Zeit gekommen für den Ersatz eines zerstörten Gelenks ?

Wie lange muss ich nach der Implantation eines Kunstgelenks an Stöcken gehen ?

Kann ich nach Implantation eines Kunstgelenks wieder Sport treiben ?

Welche Sportarten eignen sich besonders für Menschen mit einem Kunstgelenk ?

 Welche Risiken gibt es bei der Operation ?

Welche Risiken bestehen auf lange Sicht ?

 

Antworten auf die Fragen, welche Sie als Patient/in über Endoprothetik haben könnten:

Wann ist die richtige Zeit gekommen für den Ersatz eines zerstörten Gelenks ?

Der richtige Zeitpunkt für den Ersatz eines Gelenkes kann nicht vom Arzt allein anhand einer Untersuchung oder gar anhand von Röntgenbildern festgelegt werden. Es bedarf eines ausführlichen Gesprächs zwischen Arzt und Patient/in um herauszufinden, wie sehr der/die Patient/in durch sein/ihr Gelenkleiden beeinträchtigt ist und welche Krankheiten sonst noch vorhanden sind.  

Der Arzt wird dann erklären, welches aufgrund der Befragung und Untersuchung die Risiken einer Gelenkoperation sein werden und inwieweit die Ansprüche des Patienten erfüllt werden können. Erst wenn der Arzt und der/die Patient/in sich eine Vorstellung gemacht haben, was sich durch ein Kunstgelenk ändern würde und unter Inkaufnahme welcher Risiken, kann der Entscheid gefasst werden. 

Wie lange muss ich nach der Implantation eines Kunstgelenks an Stöcken gehen ?

Wenn ein Kunstgelenk im Knie oder in der Hüfte implantiert (eingesetzt) wurde, kann unter günstigen Bedingungen von Anfang an mit 20 bis 30 Kilogramm belastet werden. Die Stöcke können etwa nach sechs Wochen in der Wohnung zunehmend weggelassen werden. Wenn diese Belastung gut vertragen wird und keine Gangunsicherheit besteht, wird der/die Patient/in nach 8-12 Wochen dauernd ohne Stöcke gehen. Es gibt aber nicht selten Patienten, die mindestens einen Spazierstock weiter brauchen, weil sie unsicher gehen, zum Beispiel  wegen Gleichgewichtsstörungen oder wegen Muskelschwäche.  

 Kann ich nach Implantation eines Kunstgelenks wieder Sport treiben ?

Sport kann mit der nötigen Vorsicht wieder betrieben werden. Es gibt allerdings Sportarten, welche sich nicht besonders gut eignen für Leute, welche ein Kunstgelenk haben. Mannschaftssportarten wie Fussball, Handball oder Eishockey,  bei welchen mit unsanftem Körperkontakt gerechnet werden muss eignen sich sicher nicht. 

Alpinskifahren ist nur für Leute geeignet, die schon vorher gute Skifahrer waren, und es erfordert gute Pistenverhältnisse sowie die nötige Zurückhaltung.

Ski-Langlauf ist mit der nötigen Vorsicht auch wieder möglich, wobei die Loipe möglichst im Flachland liegen sollte und der Schnee sollte griffig, jedenfalls nicht vereist sein. 

Tennis eignet sich vor allem bei Kunstgelenken im Knie denkbar schlecht. Anspruchsvolles Spielen mit abrupten Richtungswechseln und Bremsern ist aber auch für künstliche Hüftgelenke nicht zu tolerieren. 

Golf eignet sich, wenn die Spielweise so angepasst wird, dass keine heftigen Drehbewegungen auf das operierte Bein übertragen werden. Die Ansprüche müssen natürlich entsprechend reduziert werden. 

Segeln mit kleinen Booten  ist nicht geeignet, auf grösseren Booten und mit geigneten Schuhen, welche guten Halt finden, kann auch aktiv gesegelt werden. 

Welche Sportarten eignen sich besonders für Menschen mit einem Kunstgelenk ?

Gut geeignet ist  Wandern - Schwimmen - Aquafit. 

Wanderungen sollten natürlich nicht gerade  in rutschigem oder steilem Gelände stattfinden. 

 Welche Risiken gibt es bei der Operation ? 

Der allgemeine Gesundheitszustand bei der Entscheidung für ein Kunstgelenk ist immer zu berücksichtigen. Der Leidensdruck kann zum Beispiel bei praktischer Gehunfähigkeit (Knochenbruch, schwere Arthrose) oder starken Schmerzen bereits ohne grosse Belastung (Nachtschmerz zum Beispiel) jemanden dazu bewegen, eher ein Risiko einzugehen. 

Die grössten Risiken bei Gelenkersatzoperation am Knie und an der Hüfte sind die Thrombose und  der Infekt. Auch der Blutverlust kann bedeutend sein. 

Die Thrombose mit der Gefahr einer Lungenembolie versuchen wir zu verhüten, durch gerinnungshemmende Mittel, meist schon am Abend vor der Operation und durch Bewegen schon unmittelbar nach der Operation. 

Eine Infektion tritt heute viel seltener auf als in den Anfängen der Gelenkersatzoperationen, wo noch jeder zehnte Operierte damit rechnen musste. Trotz aller erdenklichen Massnahmen muss auch heute noch etwa ein Patient auf 200 Operierte mit einem Infekt rechnen. Um Infekte zu verhüten, wird viel technischer Aufwand betrieben. Auch bekommt der/die Patient/in in der Regel bereits unmittelbar vor Operationsbeginn ein Antibiotikum (über den sowieso vorhandenen Venenzugang) verabreicht.  

Welche Risiken bestehen auf lange Sicht ?

Es kann sich auch nach geglückter Operation noch ein Infekt im Bereich des Kunstgelenks entwickeln. . Es können sich zum Beispiel auch Bakterien aus dem Blut absiedeln. Wenn ein Infekt auftritt, muss meistens das Gelenk entfernt werden und erst nach Ausheilung kann dann Wochen bis Monate später  wieder ein Gelenk eingesetzt werden.

Das Kunstgelenk kann locker werden (sogenannte aseptische Lockerung). Gründe für solche Lockerungen gibt es mehrere. Eine Hauptursache sind Abriebpartikel, welche von den Gelenkgleitflächen sich lösen und eine Entzündung (ohne Infekt) verursachen. Auch hohe Beanspruchung in Sport oder Beruf kann zu vorzeitiger Lockerung eines Kunstgelenks führen. 

          Ski-Langlauf ist mit der nötigen Vorsicht auch wieder möglich, wobei die Loipe möglichst im    

          Flachland liegen sollte und der Schnee sollte griffig, jedenfalls nicht vereist sein. 
 
 
 

 

Was kann die Ursache von Beschwerden sein, wenn Sie schon ein 

Kunstgelenk der Hüfte haben ?

Beschwerden können im Hüftgelenk entstehen oder sie können andere Ursachen haben. 

Hier zuerst die Ursachen im Zusammenhang mit dem Kunstgelenk: 

Es  könnte ein Infekt um das Kunstgelenk entstanden sein

Es könnte sich das Kunstgelenk lockern (aseptische Lockerung)

Die Grösse des Kunstgelenks passt nicht zum Knochen (mismatch)

Knochenriss zum Beispiel im Trochanter oder Schaft

Entzündung durch Abrieb von den Gleitflächen im Kunstgelenk

Schleimbeutel auf dem Trochanter (Rollhügel)

 

Die folgende Aufzählung nennt einige der bekannten Ursachen von Beschwerden nach 

Operation, aber ohne Zusammenhang mit dem künstlichen Hüftgelenk: 

Bandscheibenprobleme in der Lendenwirbelsäule

Gelenkprobleme in der Lendenwirbelsäule

Arterielle Gefässkrankheit (Verengung)

Venöse Gefässkrankheit (gestaute Venen)

Metabolische Erkrankung wie Zuckerkrankheit etc.

Stress- oder Ermüdungsbruch des Knochens

Nervenschädigung (Ischias, N. femoralis, N.cut.fem. lat)

Sehnenproblem (Iliopsoasentzündung)

Inguinalhernie (= Leistenbruch), Femoralhernie, Obturatoriushernie

CRPS (complex regional pain syndrome) früher Sudeck Dystrophie 

Magendarmerkrankung

Erkrankung von Harnwegen oder Geschlechtsorganen

Literatur:

Patrick J Dufey et al. "Evaluation of patients with pain following total hip replacement" An Instructional Course 

Lecture, American Academy of Orthopaedic Surgeons, The Journal of  Bone and Joint Surgery 87A:

Seite 2566-2575, November 2005

 

. Ob skaten oder klassisch spielt keine Rolle, Hauptsache die Piste ist griffig

Was Sie als Patient/in mit einem künstlichen Hüftgelenk wissen wollten

Was könnte die Ursache sein, wenn nach Implantation eines Kunstgelenks Beschwerden in der Hüfte 

oder im Bein weiter bestehen ?

Wenn von Anfang an nach der Operation Beschwerden in der Hüfte oder im Bein bestehen und nicht 

verschwinden kann  es sich um einen Infekt oder um einen fehlenden knöchernen Einbau des Implantats 

handeln. Es kann sich um eine Ueberdehnung eines Nerven handeln, vor allem wenn das Bein verlängert 

wurde. Viel häufiger aber handelt es sich nach meiner Erfahrung um Ursachen, welche nicht im

 Zusammenhang mit dem Kunstgelenk stehen. Sehr oft kommen bei wieder etwas vermehrter Aktivität 

Beschwerden zum Vorschein, welche wegen der Hüftschmerzen und der kurzen Gehstrecke maskiert

waren oder gar trotz Hüftgelenksarthrose im Röntgenbild die Hauptursache  der "Hüftschmerzen" waren. 

Sehr oft liegt die Ursache in der Wirbelsäule. Verdacht auf diese Ursache kommt auf, wenn der Schmerz 

von der Gesässbacke weit ins Bein hinunterstrahlt. Eine solche Ursache ist dann von allen anderen oben 

von der American Academy of Orthopaedic Surgeons aufgezählten Ursachen abzugrenzen. 

 

Weitere Informationen finden Sie bei ww.orthopaedie-zuerich.info

 

 


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